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Cholesterinsenkende Medikamente

TablettenWenn die alleinige Umstellung auf eine gesunde Ernährung und eine aktivere Lebensweise (inkl. Gewichtsreduktion) sowie die Behandlung einer möglicherweise zugrundeliegenden Grunderkrankung nicht ausreichen, um die Cholesterinwerte nachhaltig zu verbessern, ist eine medikamentöse Therapie angezeigt. Die Palette von cholesterinsenkenden Wirkstoffen ist heutzutage sehr groß und kann an die individuellen Patientenbedürfnisse angepasst werden.

Statine

Simvastatin, Atorvastatin, Pravastatin, Rosuvastatin sind Medikamente aus der Gruppe der CSE-Hemmer (CSE = Cholesterin-Synthese-Enzym) und werden am häufigsten bei zu hohen Cholesterinspiegeln verordnet. Sie blockieren die körpereigene Produktion von Cholesterin, dadurch nehmen die Zellen vermehrt LDL-Cholesterin (LDL-C) aus dem Blut auf. Sie reduzieren so im Blut das „schlechte“ LDL-Cholesterin, erhöhen das „gute“ HDL-Cholesterin (HDL-C) und senken damit nachweislich das Risiko für Herzinfarkte und weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Statine senken nicht nur das Cholesterin sondern sie wirken auch entzündungshemmend und führen zu einer Stabilisierung von Gefäßablagerungen (Plaque-Stabilisatoren). Dadurch vermindert sich die Dicke der Verkalkung zwar nicht, aber durch die Stabilisierung der Oberfläche der Plaques wird die Gefahr von Abrissen der Gefäßablagerungen verringert. Solche Embolien sind nicht selten Ursachen für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Die häufigsten Nebenwirkungen von Statinen sind Muskelschmerzen, die bei etwa 5% der Patienten auftreten. Manchmal gelingt es, durch eine Wechsel auf ein anderes Statin und/oder einer geringeren Dosis sowie der Einnahme nur jeden zweiten oder dritten Tag die Statin-Myopathie in den Griff zu bekommen. Statine können die Leberwerte erhöhen und das Risiko für Diabetes geringfügig steigern. Bei den Laborkontrollen sollten deshalb nicht nur die Cholesterinwerte überprüft werden.

Ezetimib

Unterstützend oder wenn Statine nicht vertragen werden kann eine Therapie mit Ezetimib in Erwägung gezogen werden. Er hemmt die Verwertung des über die Nahrung zugeführten Cholesterins, es werden bis zu 50% weniger Cholesterin aus dem Dünndarm aufgenommen.

Da gleichzeitig aber leider die körpereigene Cholesterin-Produktion in der Leber angeregt wird, kommt es durch Ezetemib in der Summe letztendlich nur zu einer Senkung des Cholesterins um etwa 15 bis 20%. In der IMPROVE-IT-Studie konnte zusätzlich zu einem Statin gegebenes Ezetemib innerhalb eines Zeitraumes von 7 Jahren die Rate von schweren Koronarereignissen wie Herzinfarkt von 34,7% auf 32,72% reduzieren. Dieser Unterschied ist zwar statistisch signifikant, rechtfertigt aber keine generelle Umstellung auf eine Kombinationstherapie. Hinzu kommt, dass die Sterblichkeit durch die Zugabe von Ezetemib im Vergleich zu einer Monotherapie mit einem Statin nicht verbessert werden konnte.  

Fibrate

Bezafibrat und Fenofibrat vermindern zwar auch die LDL-Menge im Blut und erhöhen das HDL-Cholesterin, aber vor allem schränken sie die Triglycerid-Produktion in der Leber ein. Entsprechend sind Fibrate vor allem dann indiziert, wenn der Triglyceridspiegel gesenkt werden muss.

PCSK9-Hemmer

Evolocumab (Handelsname: Repatha) und Alirocumab (Handelsname: Praluent) sind Antikörper, die der Patient sich alle 14 Tage mit einem Injektions-Pen unter die Haut spritzt. Bei diesen in 2015 und 2016 zugelassenen Wirkstoffen handelt es sich um sogenannte PCSK9-Hemmer.

Die PCSK9-Hemmer verhindern den Abbau von LDL-Rezeptoren in der Leberzelle. Die Rezeptoren bleiben frei und können erneut LDL-Cholesterin (LDL-C) binden. Auf diese Weise kann das Blut vom schädlichen LDL-C gereinigt werden. PCSK9-Hemmer können den LDL-C dabei um 60-70 % senken. Diese neuen Medikamente sind aber mit jährlichen Therapiekosten von 9.000 € mehr als 100mal so teuer wie Statine.

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Gelenkschmerzen, Infektionen der oberen Atemwege, Müdigkeit, Reaktionen an der Injektionsstelle und Kopfschmerzen. Zur Langzeitsicherheit liegen noch keine Daten vor. PCSK9-Hemmer können ähnlich wie die Statine in seltenen Fällen die Entstehung von Diabetes fördern. In der einjährigen Zulassungsstudie nahmen Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen zu. Da in Deutschland mit der jetzigen Standardtherapie (Statine und/oder Ezetrol) bisher weniger als die Hälfte der Hochrisikopatienten den angestrebten LDL-Zielbereich von 70 mg/dl erreichen, setzen Experten große Hoffnung in dieses neue Wirkprinzip. Die  hohen Kosten begrenzen die Einsatzmöglichkeiten aber im Moment erheblich.

Weitere Cholesterinsenker

Es gibt es noch verschiedene weitere Arzneimittel, die cholesterinsenkend wirken. Hierzu gehören Nikotinsäurederivate, sogenannte Anionenaustauscher sowie hochdosierte pflanzliche Medikamente auf Basis von Artischocken- oder Knoblauch-Extrakten. Weiter können Ballaststoffe wie Leinsamen und Flohsamen unterstützend eingenommen werden.

Behandlungserfolg sollte regelmäßig kontrolliert werden

Die Wahl der Medikamente und Dosierungen sollte auf Ihre individuellen Gegebenheiten ausgerichtet sein. Die Wirksamkeit der Medikamente, d.h. der Behandlungserfolg sollte regelmäßig kontrolliert werden. Ein besonderes Augenmerk sollte auf eventuelle auftretende Nebenwirkungen gelegt werden. Bei der Komplexität der medikamentösen Therapie von Fettstoffwechselstörungen empfiehlt es sich, Rat von Cholesterin-Experten mit einer Spezialsprechstunde einzuholen.

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